Wie sich das Sehen entwickelt

Die Sehkraft ihres Kindes ist für die Eltern schwer einschätzbar. Alle zum Sehapparat gehörenden Organe sind zwar bei Neugeborenen vorhanden, allerdings ist das Zusammenspiel von Auge, Muskeln, Sehnerv und Gehirn nicht gleich zu Beginn ausgebildet. Die vollständige Sehleistung wird erst mit dem 12. Lebensjahr erreicht. Bis dahin durchläuft die Entwicklung des Auges mehrere Etappen. Eltern sollten diese kennen, um etwaige Sehfehler frühestmöglich zu bemerken.

Neugeborene

Der Blick eines Neugeborenen ist zu Beginn auf Nahsicht eingestellt. Das Baby kann nicht weiter als 20-40 cm scharf sehen. Es erkennt Muster, starke Kontraste, Primärfarben und findet Dinge, die sich bewegen, spannender als statische.
Die Muskulatur beider Augen ist jedoch noch nicht abgestimmt. Deshalb kann es vorkommen, dass das Kind schielt, was jedoch in diesem frühen Stadium noch kein Grund zur Sorge ist.

Erste vier Wochen

In den ersten 3-4 Wochen lernt der kleine Mensch auch Gesichter auseinanderzuhalten, was es als Neugeborenes noch nicht kann. Selbst seine Mutter kann es zuvor mit seinen optischen Fähigkeiten allein nicht von anderen unterscheiden.

Zweiter bis sechster Monat

Etwa mit 2-4 Monaten wird die Farbwahrnehmung differenzierter und das Kind erkennt Farbabstufungen. Auch die Linse stabilisiert sich allmählich, sodass die Sehschärfe immer mehr zunimmt. Außerdem hat das Kind dann gelernt, beide Augen synchron zu benutzen. So kann es Dinge fokussieren und ihnen mit den Augen folgen. Mit dem beidäugigen Sehen wird nun auch das räumliche Sehen möglich. So lernt das Kind schnell präzise nach Dingen zu greifen und seine ersten Bewegungen zu koordinieren. Es ist ratsam, dem kleinen Menschen in dieser Phase viele Gegenstände – deren Form, Farbe, Struktur und Kontur verschieden sind, zu zeigen und eventuell sogar langsam hin und her beziehungsweise hoch und runter zu bewegen. Es fördert die Sehfähigkeit und die Verarbeitungsleistung im Gehirn zusätzlich.
Hat sich bis zu diesem Zeitpunkt die Augenstellung nicht ausgerichtet und das Kind schielt, ist es wichtig zur Kontrolle einen Augenarzt aufzusuchen. Schielen kann auf lange Sicht zu Amblyopie (einäugige Schwachsichtigkeit) führen.

Siebter bis zwölfter Monat

Mit 7-8 Monaten sind Sehschärfe und Tiefenwahrnehmung schon ziemlich gut ausgebildet. Die Sehkraft beträgt etwa 30-50% des Sehvermögens eines Erwachsenen. Immer mehr Details können erkannt werden und das Kind sieht immer entferntere Gegenstände.
Außerdem hat die Iris nun den finalen Augenfarbton angenommen.

Ab einem Jahr

Bis zum 4. Lebensjahr nimmt die Sehschärfe immer weiter zu. Im Idealfall kann eine 100%ige Sehleistung bereits in diesem Alter erreicht werden. Das ist aber je nach Veranlagung unterschiedlich. Bestimmte Kinder kommen unter Umständen erst mit 9 Jahren auf ihre volle Sehstärke.

Die Länge des Augapfels, welche über Normal-, Kurz- oder Weitsichtigkeit entscheidet, befindet sich in dieser Zeit noch im Wachstum. Es gibt unterschiedliche Meinungen, ob man Kindern in dieser Zeit bereits eine Brille verschreiben sollte, da prinzipiell die Chance besteht, dass sich die Fehlsichtigkeit noch „verwächst“. Hierzu sollte man sich am besten von einem Augenarzt beraten lassen.

Ab zwölf Jahren

Erst mit 12 Jahren ist der Entwicklungsprozess des Sehens abgeschlossen. Perspektivisches Zeichnen zum Beispiel ist erst ab diesem Alter möglich.

Fazit

Diese Etappen liefern erst einmal eine kleine Orientierung, damit man einschätzen kann, ob der Sehverlauf des eigenen Kindes normal ist oder ab wann man sich ernsthaft über das Sehvermögen des Kindes sorgen sollte. Viele Sehfehler lassen sich beheben, wenn sie zeitig erkannt werden. Hinderlich bei der Aufdeckung eines Sehfehlers des Kindes ist allerdings, dass es sich an die verschlechterte Qualität seiner Wahrnehmung gewöhnen kann und sich daher nach wie vor unauffällig verhält. Deshalb sind regelmäßige Besuche beim Kinder- und Augenarzt sehr wichtig, auch die Vorsorgeuntersuchungen sollte man immer wahrnehmen.