Auch Sehen muss man lernen

Wie so viele Dinge gehört Sehen für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Bis es Probleme gibt machen wir uns kaum Gedanken darüber. Aber auch Sehen muss man erst einmal lernen. Und das ist ein ganz schön komplizierter, aber auch erstaunlicher Prozess.

Ähnlich ist das mit dem Sehen. Auch hier ist die Veranlagung von Geburt an vorhanden, und wir wenden sie ohne darüber nachzudenken an. Doch mit dem frühkindlichen Einsatz des visuellen Apparats setzt eine Phase der kontinuierlichen Entwicklung ein, die mit einem Lernen vergleichbar ist. Erst am Ende dieser Entwicklungsschritte steht das vollausgeprägte Sehen, wie wir es als Erwachsene als unseren Sehsinn auffassen.

Besonders viele Entwicklungen gibt es bereits in den ersten Lebensmonaten

Auch das Sehen wird also zu einem wesentlichen Teil erst gelernt. Ein neugeborenes Baby kann noch nicht besonders scharf sehen. Es kann nur starke Kontraste aus Hell und Dunkel und deutlich ausgeprägte Umrisse wahrnehmen. Im zweiten Lebensmonat kann das Baby nun bereits grobe Konturen und Muster ausmachen. Im dritten bis fünften Monat lernt das Baby etwas ganz Besonderes: Es kann jetzt seine Eltern erkennen. Das Baby schaut Personen ins Gesicht und lächelt sie an. In den Folgemonaten lernt das Kind das gezielte Greifen nach Gegenständen und kann Dinge wie auch Gesichter visuell unterscheiden. Das Scharf-Sehen des Auges ist aber in der Regel erst mit dem fünften Lebensjahr voll ausgeprägt.

Die Ausprägung des Sehsinnes ist also ein weit umfangreicherer Lernprozess, als wir uns das oft bewusst machen, wenn wir ganz selbstverständlich wieder einmal ein Buch lesen oder uns im Straßenverkehr orientieren. Insbesondere die Stabilisierung und Steuerung der Augenfunktionen und die kognitive Verarbeitung der visuellen Reize werden in diesem Lernprozess geübt. Und nach und nach wird der Mensch somit zu einem richtigen Seh-Profi, denn das Sehen bringt dem Menschen so viele Vorteile, dass er es automatisch jeden Tag für viele Stunden übt.

Auch der Seh-Lern-Prozess kann behindert sein

Genauso wie dieser Lernprozess reibungslos abläuft, kann er natürlich auch durch spezielle Umstände und Bedingungen behindert sein, die unter Umständen eine Sehminderung hervorrufen. Natürlich können auch in solchen Fällen die positiven Effekte des Lernens zumindest teilweise nutzbar gemacht werden, indem möglichst frühzeitig zu wenig geübte Vorgänge des Sehens geschult werden. So können, ggf. nach einer Bedingungskorrektur z.B. durch eine Augen-Operation, Lerndefizite behandelt werden. Dazu werden z.B. Augenpflaster oder Sehübungen eingesetzt, die ein gezieltes Sehen Lernen ermöglichen können.