Schielen (Strabismus): Ursachen, Formen und Behandlung

Sie oder Ihr Kind schielen? Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.

Im Normalfall blicken beide Augen in die gleiche Richtung, sie fixieren zum Beispiel ein bestimmtes Objekt. Beide Augen empfangen dabei ein etwas anderes Bild. Die unterschiedlichen Bilder, die die Augen liefern, werden im Gehirn abgeglichen und zusammengesetzt, sodass ein einziges einheitliches Bild entsteht. Das Gehirn gleicht also den unterschiedlichen Blickwinkel automatisch aus!

Wenn jemand schielt, dann schaut ein Auge oder beide Augen nicht in die gleiche Richtung. Zum Beispiel: Ein Auge „wandert“ beim Versuch einen Gegenstand zu fixieren etwas nach außen ab. Wenn dies passiert kann das Gehirn die Bilder nicht mehr richtig verschmelzen. Der Betroffene nimmt Doppelbilder wahr.

Dieser „Silberblick“, wie er im Volksmund häufig genannt wird, ist ganz und gar nicht harmlos oder niedlich. Es ist auch kein einfacher Schönheitsfehler, sondern häufig eine Sehbehinderung, die eine Störungen des beidäugigen und dreidimensionalen Sehens bewirkt. Wenn Sie oder Ihr Kind schielen, sollten Sie also unbedingt einen Augenarzt aufsuchen!

Was ist ein Schielen?

Als Schielen (Strabismus) bezeichnet man also eine andauernde oder immer wiederkehrende Fehlstellung eines Auges (monolaterales Schielen) oder beider Augen (alternierendes Schielen). Charakteristisch fürs Schielen ist die Fehlstellung des Auges. Der Blick richtet sich in unterschiedliche Richtungen und es kommt zu einem typischen Schielen. Allerdings ist das Schielen nicht immer auffällig, sondern kann auch kaum sichtbar sein. Dabei kann das Auge in jede Richtung, also nach innen oder außen (Einwärts- bzw. Auswärtsschielen), unten oder oben (Höhenschielen), verrollend (Verrollungsschielen) sowie kombiniert abweichen.
Interessant: Einwärtsschielen ist 4-5x so häufig wie Auswärtsschielen!

Wie kommt es zu einem Schielen? 

Betroffene schielen, wenn es zu einem Ungleichgewicht in der Augenmuskulatur kommt. Es gibt 6 äußere Muskeln pro Auge, welche die Bewegung des Augapfels steuern. Dazu kommen zwei innere Muskeln, die sich um die Größe der Pupille kümmern und das Nah- und Fern-Sehen steuern. Beim Schielen ist das Gleichgewicht der Augenmuskeln durcheinandergekommen. Dieses Ungleichgewicht kann im Fall eines latenten Schielens von alleine ausgeglichen werden. Bei anderen Formen des Schielens ist dieser Ausgleich allerdings nicht mehr möglich, sodass es hier zu einem manifesten – immer vorhandenen – Schielen (Heterotropie) kommt.

Da Schielen sowohl angeboren als auch erworben sein kann, sind die Ursachen vielfältig. Es kann u.a. genetisch bedingt sein, auf Risikofaktoren während Schwangerschaft oder Geburt zurückgehen, auf Refraktions- und Brechungsfehler der Augen beruhen, oder aufgrund von Verletzungen auftreten.

Diagnose des Schielens

Der Augenarzt überprüft in der Regel zuerst, ob andere Augenerkrankungen vorliegen (sekundäres Schielen). Wenn es abseits des Schielens keine Auffälligkeiten gibt, nimmt der Arzt weitere Untersuchungen zur genauen Diagnose vor. Dabei gibt es verschiedene Sehtests, die sich bereits für Kleinkinder anbieten. Wichtig für die Diagnose sind auch spezielle orthoptischen Tests, die das beidäugige Sehen untersuchen. Besonders bekannt ist dabei der Ab- und Aufdeck-Test, bei dem ein Auge ab- bzw. aufgedeckt wird. Dabei achtet die Orthoptistin auf sich ändernde Einstellungen der Augen, anhand derer ein Schielen diagnostiziert werden kann. Wichtig: Bei Schielen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, insbesondere aber wenn es neu auftritt! Für eine korrekte Diagnose ist immer eine umfassende Kenntnis des Sehapparates notwendig. Ein Schielen sollten Sie also niemals selber „diagnostizieren“ oder gar behandeln.

Welche Formen von Schielen gibt es?

Begleitschielen

Das Begleitschielen tritt meistens im Baby- oder Kleinkindalter auf. Die Sehachsen beider Augen richten sich nicht automatisch auf das gleiche Objekt und die unterschiedlichen Sichtwinkel bleiben auch bei Bewegung der Augen bestehen – daher auch der Name Begleitschielen. Die Stellungsabweichung der Augen ist in dieser Form des Schielens in allen Blickrichtungen gleich groß.

Lähmungsschielen

Beim Lähmungsschielen fallen einer oder mehrere Augenmuskeln aus, sodass ein Auge schielt. Diese Form des Schielens tritt häufig plötzlich auf und kann sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen. Gründe sind dabei meist Verletzungen, Entzündungen oder Allgemeinerkrankungen. Ein Lähmungsschiele kann aber auch angeboren sein. Bei einem plötzlichen Lähmungsschielen wird meistens umgehend eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, um die mögliche Ursache abzuklären. Diese wird dann vom jeweiligen Facharzt behandelt.

Latentes Schielen – Betroffene schielen nur in bestimmten Situationen

Beim latenten oder versteckten Schielen (Heterophorie) ist das Gleichgewicht zwischen den Augenmuskeln zwar gestört, das Gehirn kann die unterschiedlichen Seheindrücke jedoch meist von alleine ausgleichen und zu einem Bild verschmelzen. Die Betroffenen schielen daher nur in bestimmten Situationen, wie z.B. nach langer PC-Arbeit, bei starker Müdigkeit, Stress, psychisch-belastenden Ereignissen oder Erschöpfung. Daher auch die Bezeichnung „verstecktes“ Schielen.

Mikrostrabismus

Besonders problematisch sind Mikrostrabismen, bei denen eine Schielstellung kaum auffällt.  Hier ist der Schielwinkel so klein, dass er für die Eltern oder Betroffenen nicht einfach so erkennbar ist. Hinweise auf Mikrostrabismen können zum Beispiel das Auftreten von Doppelbildern oder verschwommenem Sehen, häufiges Zukneifen eines Auges, eine schiefe Kopfhaltung oder ungeschickte Bewegungen sein.

Hinweis: Auch wenn kein Strabismus vorliegt, sollten solche Symptome vom Augenarzt abgeklärt werden, um Sehfehler früh zu erkennen und zu behandeln!

Oft wird diese Form des Schielens erst sehr spät entdeckt, wenn vorher keine augenärztliche Untersuchung stattfand. In solchen Fällen kann das schielende Auge bereits eine ausgeprägte Amblyopie, eine funktionelle Schwachsichtigkeit, aufweisen. Wichtig sind daher frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt. Neben den bekannten U-Untersuchungen für Kinder, sollten diese auch schon in den ersten Lebensjahren dem Augenarzt vorgestellt werden, spätestens aber um den dritten Geburtstag herum. Dies gilt besonders, wenn Eltern auffällige Beobachtungen machen, Kinder Symptome zeigen oder Auffälligkeiten in der Krankengeschichte der Familie vorliegen.

Hilfe, mein Kind schielt!

Schielende Augen bei Babys

Neugeborene weisen bis zum zweiten oder dritten Lebensmonat sehr häufig gelegentliche Schielstellungen auf, da die Augen noch nicht perfekt aufeinander abgestimmt sind und das Sehen erst noch erlernt werden muss. Wichtig dabei ist, dass diese Schielstellungen nur kurzzeitig auftreten: Länger anhaltendes Schielen bedarf in jedem Fall der Abklärung durch einen Augenarzt!

Es gibt allerdings auch Schielformen des frühkindlichen Schielens, die bereits zu diesem Zeitpunkt bestehen. Ein (Augen-)arzt sollte also immer herangezogen werden, um das Entstehen von Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Schielen bei Kleinkindern und Kindern

Schielende Kinder sollten immer in einer Augenarztpraxis vorgestellt werden. Während offensichtliches Schielen bei Kleinkindern und Kindern meistens rechtzeitig erkannt wird, besteht ein erhöhtes Risiko vor allem bei kaum auffälligen Ausprägungen. Daher sollte immer ein Augenarzt aufgesucht werden, insbesondere bei neu aufgetretenem Schielen.

Um Folgeerkrankungen und Sehbehinderungen zu minimieren, sollte bei Schielen bei Kindern und Kleinkindern immer möglichst frühzeitig therapiert werden: Denn zu diesem Zeitpunkt ist der Sehapparat noch flexibler und dadurch besser behandelbar.

Welche Probleme können entstehen?

Das Sehen ist einer der wichtigsten Sinne für uns Menschen. Sehstörungen beeinflussen, gerade bei Kindern, die gesamte Entwicklung. Dies gilt auch für das Schielen. Häufig führt ein Strabismus dazu, dass beidäugiges Sehen nicht möglich ist.

Insbesondere bei einseitigem Schielen kommt es meist zu Folgeerkrankungen wie einer Amblyopie: Durch das Schielen entstehen Doppelbilder, gegen die sich besonders das kindliche Gehirn wehrt. Dazu unterdrückt es einfach das Bild vom schielende Auge. Das Schielende Auge wird quasi „abgeschaltet“, wodurch sich eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) entwickeln kann. Der Bundesverband der Augenärzte Deutschland (BVA) geht davon aus, dass etwa 60 % aller schielenden Kinder auch von einer Amblyopie betroffen sind. Dadurch wird auch das räumliche Sehen gestört, bzw. kann sich bei Kindern nicht richtig entwickeln. 3D-Sehen wird für Kinder mit Amblyopie so unmöglich. Insgesamt kann es dadurch nicht nur zu Lernproblemen in der Schule kommen, zum Beispiel beim Lesen lernen oder in der Geometrie, sondern auch zu Problemen mit der Balance und Koordination. Im weiteren Verlauf können dadurch die Berufswahl und Lebensplanung stark beeinträchtigt werden. Das Risiko einer Erblindung durch Verletzungen des „guten“ Auges ist ebenfalls erhöht.

Um solche Spätfolgen zu vermeiden, sollten alle Kinder frühzeitig an Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt teilnehmen. Dadurch können Eltern ihren Kindern beste Bedingungen für gutes Sehen mit auf den Weg geben.

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Wie kann man ein Schielen behandeln?

Die Behandlung eines Schielens verfolgt mehrere Ansätze: Zum einen müssen die Auslöser des Schielens behandelt werden, zum anderen soll der Schielwinkel minimiert und das beidäugige Sehen ohne Doppelbilder wiederhergestellt werden. Außerdem müssen schon entstandene Sehschwächen behandelt werden, beispielsweise durch eine Brille und die Okklusion (Abkleben) des starken Auges.

An erster Stelle steht meist die Anpassung einer Brille

Bei vielen Kindern beruht das Schielen auf einer nichtkorrigierten Fehlsichtigkeit. Um das Schielen zu behandeln, ist der erste Schritt in solchen Fällen die Anpassung einer Brille durch den Augenarzt. Die Anpassung einer Brille kann häufig schon den Schielwinkel ausgleichen oder minimieren. Kleine Schielwinkel können wohlmöglich auch durch sogenannte Prismenbrillen ausgeglichen werden, dies gilt insbesondere für die Behandlung eines latenten Schielens.

Operative Korrektur der Augenstellung

Bei einigen Schielenden reichen die anderen Korrekturmöglichkeiten nicht aus. Hier kommt eine Stellungskorrektur der Augen durch eine „Schieloperation“ in Frage. Ob eine solche Operation notwendig ist, wird Ihr Augenarzt oder Ihre Orthoptistin bestimmen. Dies ist von vielen Faktoren abhängig, unter anderem der Schielwinkelgröße mit Brille. Ihr behandelnder Augenarzt bespricht gerne Ihre Sorgen und Ängste bezüglich einer solchen operativen Korrektur mit Ihnen!

Lähmungsschielen: Erst muss die Ursache behandelt werden

Im Falle eines Lähmungsschielens muss zunächst die Ursache der Lähmung behandelt werden. Die Symptome des Schielens (wie z.B. verschwommenes Sehen) können mithilfe der Okklusion eines Auges (beispielsweise mit Okklusionsfolien für die Brille) oder des Ausgleichs des Schielwinkels durch Prismen gemindert werden. Verschwindet das Schielen nicht nachdem die Ursache therapiert wurde, kommt auch eine Operation in Betracht, mit der das beidäugige Sehen zumindest teilweise wiederhergestellt werden kann. Dies ist aber fast immer erst nach 12 Monaten anhaltender Doppelbilder der Fall.

Okklusionsbehandlung bei bereits bestehender Amblyopie

Hat sich bereits eine Amblyopie ausgebildet, muss auch diese schnellstmöglich behandelt werden. Damit beide Augen etwa gleich häufig aktiv am Sehprozess teilnehmen, wird das besser sehende Auge mit einem Okklusiv (Augenpflaster) abgeklebt. Die Okklusionsdauer richtet sich vor allem nach dem Schweregrad der Amblyopie und dem Alter des Kindes.  Für eine erfolgreiche Behandlung der Amblyopie ist es wichtig, dass die Therapie auch durchgehalten wird.

Je älter die Kinder beim Start der Amblyopietherapie sind, desto länger dauert erfahrungsgemäß ein Anstieg des Visus. Am dem 10. Lebensjahr ist dies mittels Okklusion fast gar nicht mehr möglich!

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Sprechen Sie Ihren Arzt/Ihre Orthoptistin an oder kontaktieren Sie uns unter kundenservice@caterna.de !