Die Okklusionstherapie –

Eine Herausforderung für Kinder und Eltern

Kindersorgen und Elternnöte sind während der Okklusionstherapie keine Seltenheit. Sowohl Kinder als auch Eltern müssen sich auf die neue Situation erst einmal einstellen. Eine Kinderpsychologin gibt wertvolle Tipps für den Alltag.

Die Okklusionstherapie mit dem Augenpflaster ist immer noch die bewährteste Methode für eine erfolgreiche Amblyopiebehandlung.caterna mädchen traurig
Allerdings kann diese Phase des Abklebens auch zu einer Herausforderung für Eltern und Kind werden. Die häufig lange Tragdauer, das ungewohnte Sehen, und nicht zuletzt das Pflaster an sich können zu Problemen führen. Aber: Ausdauer und Konsequenz machen sich hier bezahlt. Sie sind ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Therapie!

Unser Anliegen, Kinder mit Amblyopie besser zu verstehen, damit wir richtig auf sie eingehen können, hat uns zu Kinderpsychologin und Elterncoachess Claudia A. Reinicke in Dresden geführt. Sie hat uns folgende wichtige Hinweise zu Kindersorgen und Problemen im Alltag während der Okklusionstherapie gegeben:

Kinder mit Amblyopie haben nicht nur mit ihrer körperlichen Beeinträchtigung zu kämpfen. Spielkameraden, Mitschüler, andere Kinder, aber auch viele Erwachsene machen ihnen ebenfalls das Leben schwer.

Wenn ein Kind gerade frisch okkludiert wurde, ist seine Sehfähigkeit stark beeinträchtigt. Sein Gehirn braucht Zeit sich an die neue, oftmals dürftige Sehwahrnehmung zu gewöhnen. Außerdem ist sein Sichtfeld auf ein Auge beschränkt und die räumliche Wahrnehmung beim einäugigen Sehen nicht möglich. Aus diesem Grund ist es zu Beginn auch recht tollpatschig, rempelt andere Kinder ausversehen an oder ihm gehen durch seine Unkoordiniertheit Dinge kaputt. Die Spielkameraden unseres kleinen Amblyopie-Patienten verstehen seine Unsicherheit nicht. Vor allem wenn ihm dann öfter unabsichtlich ein Spielzeug zerbricht, kann es schnell passieren, dass es von den anderen ausgegrenzt wird.

Das Problem, ein Außenseiter zu werden, ist aber in der Schulzeit noch viel gegenwärtiger. Besonders Jungs definieren sich in diesem Alter über körperliche Fitness und legen auf diese Weise eine Rangfolge in der Gruppe ihrer Freunde fest. Kinder mit Augenpflaster und Brille beteiligen sich an diesem Wettbewerb jedoch selten, denn ihre Eltern neigen oft dazu, sie zu übertriebener Vorsicht zu erziehen.

Aussehen und ein cooler Auftritt werden auch wichtiger. Die durch Augenpflaster leicht erkennbare Beeinträchtigung lockt anderen schnell mal einen dummen Spruch oder eine unüberlegte Bemerkung über die Lippen.

Abhängig von seiner Persönlichkeit tritt das Kind aufgrund der Ausgrenzung nun entweder den Rückzug an oder neigt zum Frontalangriff.

Bezugspersonen können helfen

In solchen Situationen sind auch die Eltern und andere Bezugsfiguren gefragt. Sie können dem Kind den Rücken stärken und es dazu ermuntern, das Beste aus dieser vorübergehenden Einschränkung zu machen. Claudia Reinicke rät:

Orientierungsfiguren wie beispielsweise die Eltern können durch ihren Einfluss diese Reaktionen verstärken oder abschwächen. Fordern sie zum Beispiel das temperamentvolle Kind auf, sich durchzusetzen im Sinne von „Gib ihm dafür eins auf die Nase!“, so wird es sich eher zu Aggressionen hinreißen lassen. Besänftigen sie wiederum ein sehr ruhiges Kind und fordern es auf, den Zustand zu ertragen, wird es sich in sein inneres Schneckenhaus verkriechen und still unter seiner Beeinträchtigung leiden.

Ungünstig ist auch, wenn das Kind ständig zurückgehalten wird, sich auszuprobieren und seine Fähigkeitenpalette zu erweitern und zu stärken. Idealer ist es, wenn es ermuntert wird, all das zu tun, was alle Kinder seines Alters tun. Es reicht schon, wenn man es darauf hinweist, zum Beispiel beim Klettern, genau hinzuschauen, wo der nächste Tritt ist. Schon das vermittelt ihm den Eindruck „Ich bin so, aber ich bin trotzdem cool!“

Für Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen des Kindes ist es das Beste, wenn seine Umwelt ganz normal mit ihm umgeht und darauf vertraut, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, sich an seine Umwelt so anzupassen, dass er Beeinträchtigungen ausgleichen kann.

Unter bestimmten Gegebenheiten ist das Kind natürlich dennoch auffallend eingeschränkt. Hier hilft es, Verständnis zu zeigen oder derartige Situationen vorausschauend zu umgehen.

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Die Okklusionstherapie kann eine Herausforderung für Kinder und Eltern sein – aber eine, die sie gemeinsam meistern können! Sich in das Kind hineinzuversetzen und auf seine Probleme einzugehen sind ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig sollte dem Kind spielerisch erzählt werden, wie wichtig diese vielleicht unangenehme Maßnahme ist.

Wenn Sie oder Ihr Kind starke Probleme mit der Okklusion haben, ist auch Ihr behandelnder Augenarzt oder Ihre Orthoptistin eine gute Ansprechpartnerin.

Die Okklusion unterstützen

Wenn die Okklusionstherapie länger keine Erfolge mehr gebracht hat, kann die Caterna Sehschulung eine Option für Sie sein. Die Caterna Sehschulung ist eine Online-Therapie für Kinder mit Amblyopie, bei der ein spezielles Muster im Hintergrund spannender Online-Spiele das Gehirn dazu animiert, das schwache Auge wieder zu aktivieren.

Als Ergänzung zur Okklusionstherapie wird die Caterna Sehschulung verschrieben, wenn die gewünschten Erfolge nicht erzielt werden können, die Visuswerte stagnieren oder Ihr Kind nicht so klebt, wie es soll. Sprechen Sie einfach Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Orthoptistin auf Caterna an. Bei Fragen können Sie auch gerne unseren Kundenservice unter (0331) 86 75 08-77 oder kundenservice@caterna.de kontaktieren!

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